Klo-Causa: Klagenfurter Stadtrechnungshof fällt verheerendes Urteil zu WC-Container-Vergabe

Der Stadtrechnungshof kritisiert die WC-Container-Vergabe des Marktamtes scharf (KI-gen.)
Der Stadtrechnungshof kritisiert die WC-Container-Vergabe des Marktamtes scharf (KI-gen.)
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Wir erinnern uns: Vor fast genau einem Jahr deckte Mediapartizan.at auf, dass es bei der Vergabe von Toiletten-Containern für den Klagenfurter Christkindlmarkt Unregelmäßigkeiten gegeben haben könnte. Die auftragnehmende Firma, die TAS GmbH, erhöhte die Kosten von 2023 auf 2024 um fast 100 Prozent von 18.000 Euro auf fast 36.000 Euro brutto. Gesellschafter der TAS GmbH waren ehemalige Geschäftspartner von und Personen in einem aktuellen Freundschaftsverhältnis zu Vizebürgermeister Patrick Jonke (FSP). Mit der Geschichte „Der seltsame Fall der TAS GmbH oder: Wie man Scheiße zu Geld macht“ kamen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Jonke ins Rollen, die jedoch wieder eingestellt wurden. Auch die interne Revision der Stadt prüfte und stellte die Vergabe auf grün – was die Abteilung, wie man jetzt sieht, in ein bedenkliches Licht rückt.

Denn auch der Stadtrechnungshof (StRH) prüfte die Vergabe von mobilen Sanitäranlagen für Klagenfurter Märkte. Damit auch den Auftrag für WC-Container am Klagenfurter Christkindlmarkt. Und der kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als die interne Revision. Sein am Donnerstag erscheinender Prüfbericht ist ein Fiasko für die Stadt Klagenfurt, im Besonderen für das Marktamt. Denn: An einer entscheidenden Sitzung, in der es um die spätere Vergabe der Toiletten-Container ging, soll auch „eine wirtschaftlich mit der späteren Auftragnehmerin verbundene Person“ teilgenommen haben. Das heißt: Ein späterer Profiteur der WC-Container-Vergabe war Teil der städtischen Sitzung, in der es um die Vergabe genau dieser Container ging.

Späterer Profiteur bei Sitzung dabei

In dieser Sitzung seien vorerst Angebote anderer WC-Container-Firmen diskutiert worden. Diese seien aber „als zu teuer beurteilt worden“. Die spätere Auftragnehmerin, die TAS GmbH, „sei danach zur Legung eines Angebotes kontaktiert worden“. Dieses habe dann den Zuschlag erhalten, heißt es in dem noch unter Verschluss stehenden Bericht. Bei der teilnehmenden Person soll es sich um einen Klagenfurter Wirt handeln, der unter den Teilhabern der TAS GmbH war. Entsprechende Unterlagen wurden dem StRH laut Bericht erst nach Prüfungsabschluss übergeben.

„Wirtschaftliche Verbindung eines Sitzungsteilnehmers zur späteren Auftragnehmerin (…)“: Faksimile-Nachbau aus dem StRH-Bericht

Die Anwesenheit dieser Person (und wohl auch die Anwesenheit eines hohen Stadtpolitikers, wie sich noch herausstellen dürfte) in der Sitzung werfe „erhebliche Fragen zur Einhaltung interner Vertraulichkeitsvorgaben sowie zur Wahrung der Gleichbehandlung aller Bieter und eines lauteren Wettbewerbs auf“, so der StRH.

„Formwidrige Beauftragungen und vorzeitige Zahlungen“

Es geht aber noch weiter: Der StRH kritisiert außerdem, dass das Marktamt 2023 und 2024 Zahlungen an die TAS GmbH leistete, ohne dass der Auftrag enderledigt gewesen sei. Die Aufträge wurden „mehrere Wochen vor Ende des Leistungszeitraumes bezahlt“.

„Nicht dokumentierte Angebotsbewertung und Kostenverdoppelung“

Wie erwähnt verdoppelte die TAS GmbH von 2023 auf 2024 die Kosten für die WC-Container am Christkindlmarkt von 18.000 Euro brutto auf fast 36.000 Euro. Und das „bei identem Leistungsumfang“. Zugleich habe die TAS GmbH „das Benützungsentgelt um 100 %, welches nicht an die Landeshauptstadt abzuführen war“, erhöht. Konkrete Entscheidungsgrundlagen, warum das Marktamt der TAS GmbH das WC-Entgelt überließ, waren nicht dokumentiert, kritisiert der StRH. Die TAS GmbH erhöhte das WC-Entgelt von 2023 auf 2024 von 50 Cent auf einen Euro. Außerdem: Der Marktverwaltung war offenbar nicht wichtig zu wissen, wie viele Personen die mobilen WCs frequentierten (siehe Faksimile). 2024 besuchten rund 97.000 Personen den Christkindlmarkt. Durchschnittlich verbrachten sie 2 Stunden 13 Minuten am Neuen Platz.

Unterm Strich kostete die TAS GmbH um 30 Prozent mehr als der darauffolgende Anbieter im Jahr 2025, der nach Aufkommen der Mediapartizan-Recherchen 15.000 Euro an WC-Entgelten an die Stadt ablieferte (bei 39.600 Euro brutto Gesamtpreis).

Faksimile-Nachbau aus dem StRH-Bericht: Der Marktverwaltung war offenbar nicht wichtig zu wissen, wie viele Gäste die WC-Container benutzten.

TAS hatte Freibrief

„Bei den geprüften Beschaffungsvorgängen waren die Angebotsbewertungen nicht nachvollziehbar dokumentiert. Wesentliche wirtschaftliche Parameter wurden weder ausreichend erhoben noch bewertet“, so der StRH. Und dann: „Dies betraf insbesondere das dem Auftragnehmer [TAS GmbH, Anm.] eingeräumte Recht, die Entgelte für die Benützung der Sanitäranlagen zu vereinnahmen, ohne die Nutzerzahlen und die daraus erzielten Einnahmen gegenüber der Landeshauptstadt offenlegen zu müssen.“

„Unzureichende Leistungsbeschreibung“

Schon beim Erstauftrag für die TAS gab es 2023 nur wenige Angaben zur erwarteten Leistung. 2024 dann, unter der neuen Marktkoordinatorin, „war der Detaillierungsgrad nochmals geringer als im Vorjahr“, kritisiert der StRH. „Ein angefragtes Unternehmen forderte deshalb wiederholt ergänzende Informationen an und wies darauf hin, andernfalls kein seriöses Angebot legen zu können.“

TAS hatte nur ruhendes Gewerbe

Brisant dann die Auswahl der TAS GmbH: „Als kritisch zu beurteilen war auch, dass das im Jahr 2023 beauftragte Unternehmen [TAS GmbH] zum Zeitpunkt der Zuschlagserteilung nicht über die erforderliche Gewerbeberechtigung verfügte“, schreibt der StRH. Nach Mediapartizan-Recherchen ruhte das Gewerbe 2024. Dadurch kam ein Verwaltungsstrafverfahren in Gang. Ob die TAS eine Geldstrafe zahlen musste, veröffentlicht die Stadt nicht.

Die Stadt argumentierte bei Aufkommen der Recherchen damit, dass alle MitarbeiterInnen des Magistrats einer Compliance-Regelung unterliegen würden. Der StRH kritisiert allerdings ein „fehlendes magistratsweites Compliance-Regelwerk“.

Die kritisierte Stelle, die Marktverwaltung, erklärte in einer Stellungnahme an den StRH, dass ihr wesentliche Bestandteile wie ein Beschaffungshandbuch nicht in ausreichender Qualität im Intranet vorgelegen sei und deshalb die Auftragsvergaben nicht willkürlich stattfanden. Der StRH stellte fest, dass entsprechende Dienstanweisungen im Intranet fehlten. Außerdem erklärte die Marktverwaltung, dass sie den Compliance-Regeln der Stadt unterliege.

Reaktionen

Kontrollausschuss- und FPÖ-Klubobmann Andreas Skorianz prangert in einer ersten Reaktion „die fehlenden Compliance-Regeln der Stadt an. Das geht von Auftragsvergaben bis hin zu Überstunden.“ Das müsse „sofort geändert werden“. Jonke wollte auf Anfrage bei seinem Anwalt Michael Sommer kein Statement abgeben.

Der Stadtparteiobmann der Grünen, Stefan Samonig, fordert Konsequenzen: „Die Stadtregierung kann sich nicht länger wegducken. Aber auch die Verwaltung muss endlich Verantwortung übernehmen. Es braucht klare Regeln, klare Zuständigkeiten und funktionierende Kontrollen. Und vor allem muss sichergestellt sein, dass diese Regeln auch eingehalten werden.“

1 Kommentar

  1. Der tägliche Irrsinn aus diesem Augiasstall Magistrat Klagenfurt. In jedem Unternehmen werden die verantwortlichen Personen sofort ENTLASSEN, denn hier wurde dem Magistrat Schaden zugefügt. Die Verteidigung ist geradezu lächerlich, es liegen halt leider keine Complianceregelungen für den Einkauf im Intranet auf. Ein Wahnsinn, wenn es hier nicht zu personellen Konsequenzen kommt – nein, keine Versetzung wie sonst üblich, sondern sofortige Trennung von den handelnden Personen. Zufällig ist die Marktamtsleiterin die Lebensgefährtin des „Herrn“ Vizebürgermeisters und dessen Freund hat den Auftrag bekommen? Ist sicher nur ein Zufall… der Standardsatz bei Geschichten aus dem Magistrat noch: es gilt die Unmutsverschuldung, äh, Unschuldsvermutung…. der einzige Lichtblick im Magistrat ist der hauseigene Rechnungshof. Hut ab vor dessen konsequenter Arbeit, dem neuen Leiter wurde ja noch vom früheren MagDir Jost mit Konsequenzen gedroht (Bericht in der Kleinen Zeitung), weil die neue Rechnungshofleitung sich zu intensiv mit den Machenschaften im Magistrat beschäftigt. Ich bin hocherfreut, dass man sich davon nicht hat einschüchtern lassen.

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