Den Anfang machte eine Mediapartizan-Recherche am 9. Oktober 2025: Aus dieser ging hervor, dass die Vergabe von Toiletten-Containern am Klagenfurter Christkindlmarkt erhebliche Fragen aufwarf. Vergabestelle war das Marktamt der Stadt Klagenfurt. Auftragnehmer war die TAS GmbH, die bis 2023 nie mit der Bereitstellung von Sanitäranlagen zu tun hatte. Aber dennoch den Auftrag erhielt.
Mediapartizan.at konnte in mehreren Artikeln nachweisen, dass die Auftragsvergabe an die TAS GmbH mit großen Fragezeichen behaftet war: Die TAS GmbH erhöhte den Preis für die Bereitstellung der Container von 2023 auf 2024 um fast 100 Prozent. Von 18.000 auf 36.000 Euro brutto – bei identem Leistungsumfang. Die Firma behielt sich weiters das WC-Entgelt ein, das von Besuchern zu entrichten war. Auch das hob sie von 2023 auf 2024 von 50 Cent auf einen Euro an. Zu beobachten war auch, dass die Marktkoordinatorin, sie war ab 2024 für die Märkte mitverantwortlich, die Lebensgefährtin des heutigen Vizebürgermeisters Patrick Jonke (FSP) war. Warum? Weil die TAS GmbH ehemaligen Geschäftspartnern und aktuellen persönlichen Freunden von Jonke gehört und damit ein Naheverhältnis zwischen ihm und den Teilhabern bestand. Die Stadt sprach damals aber davon, dass Compliance-Regeln jede Art von Bevorzugung eines Anbieters ausschließen würden. Der Vollständigkeit halber ist zu sagen, dass die Marktkoordinatorin für den Auftrag 2023 an die TAS GmbH nicht mitverantwortlich war.
Aber sie überprüfte auch nicht, ob die TAS GmbH 2024 ein aufrechtes Gewerbe hatte. Hatte sie nicht. Dieses ruhte. Womit aufgrund der Recherchen ein Verwaltungsstrafverfahren gegen die TAS GmbH in Gang kam. Die TAS GmbH, für deren Auswahl 2024 aber sehr wohl die Marktkoordinatorin mitverantwortlich war, kostete im Vergleich mit dem Anbieter des nächsten Jahres rund 30 Prozent mehr. Zwar hatte der Anbieter 2025 einen höheren Bruttopreis (39.600 Euro) – er gab der Stadt aber rund 15.100 Euro an WC-Entgeldern zurück. Womit der Preis schließlich bei 24.500 Euro lag.
Resultat der Recherchen war aber auch eine Diskussion im Klagenfurter Gemeinderat, die dazu führte, dass der Stadtrechnungshof (StRH) den Auftrag erhielt, die Vergabe zu durchleuchten. Seit dieser Woche wissen wir: Mit vernichtendem Ausgang für das Marktamt. Der StRH bestätigte die Mediapartizan-Recherchen und fand noch mehr heraus. Etwa dass ein späterer TAS-Miteigentümer 2023 in einer städtischen Sitzung mit dabei war und damit exklusive Informationen über Inhalte und Kosten für die Container erhielt. Der StRH stellte daraufhin die Frage nach dem „redlichen Wettbewerb“ in den Raum, da es sein könnte – und das ist sogar wahrscheinlich –, dass andere Anbieter nicht über diese Informationen verfügten. Außerdem kritisierte der StRH, dass es eben kein magistratsweites Compliance-Regelwerk gebe.
Marktkoordinatorin zurück ins Stadtmarketing?
Wegen des desaströsen Prüfberichts soll es nun zu ersten Konsequenzen kommen. Im Magistrat wird offenbar darüber nachgedacht, die Marktkoordinatorin zu entmachten. Offiziell heißt es von der Stadt: „Es gilt nun die Ergebnisse des Stadtrechnungshofes rasch zu sichten und die Empfehlungen umzusetzen. Organisatorische Maßnahmen werden nach erster Durchsicht des Berichtes jedenfalls umgehend zu setzen sein.“
Die Stadt stellt also jetzt schon „organisatorische Änderungen“ in Aussicht. Das ist ungewöhnlich rasch. Wie Quellen berichten, sollen Veranstaltungen wie etwa der Christkindlmarkt zum Stadtmarketing wandern. Derzeit ist das Marktamt Anhängsel der Bau- und Gewerbebehörde. Bereits der nächste Christkindlmarkt soll nicht mehr von der bisherigen Marktkoordinatorin gemanagt werden. Sie könnte, so die Quellen, vom Marktamt ins Präsidium im Rathaus wechseln. Allerdings scheint es auch eine Variante zu geben, in der die Marktkoordinatorin zurück zum Stadtmarketing, in dem sie vorher tätig war, wechseln könnte. Was das in Verbindung mit den Veranstaltungen, die ja auch dorthin wandern könnten, heißt, ist anscheinend offen. Es brächte – jedenfalls in der Außenwirkung – wohl wenig, die Marktchefin in eine Abteilung zu versetzen, wo sie den gleichen Job wie im Marktamt macht. Wie die Quellen aber erklären, soll das in Zukunft vermieden werden.
Offiziell bestätigen möchte das aber niemand.

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