Eines kann man dem Bildungsministerium und der Kärntner Bildungsdirektion nicht vorwerfen: Geheimniskrämerei. Beide Behörden beantworteten eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) umfassend. Ein Tipp brachte den Autor dieser Zeilen dazu, eine entsprechende Anfrage an die beiden Behörden zu stellen. Die Frage: Wie hoch waren die Top-Ten-Gehälter von Kärntner Lehrer(innen) 2025?
Und die Bestverdiener reichten im letzten Jahr an Politgehälter etwa von Landesräten heran. Der bestverdienende Lehrer in Kärnten kam 2025 auf 228.145 Euro brutto. Zum Vergleich die Jahresgage eines Kärntner Landesrates: 231.308 Euro brutto.
Hitliste: Vier AHS-Lehrer(innen) mit fast 230.000 Euro – wohl aber mit Abfertigung
Das ist aber kein Einzelfall: Die Nummer zwei unter den Lehrergagen 2025 liegt nur ganz knapp dahinter auf fast 227.000, die Nummer drei auf rund 226.000 und die Nummer vier auf knapp 225.000 Euro brutto. Alle vier Plätze werden von AHS-Lehrern vereinnahmt. Es handelt sich dabei also um Bundesschulen. Bei dem Quartett spielt sich das reine Gehalt bei rund 90.000 Euro brutto ab. Der Rest teilt sich auf in Sonderzahlungen (rund 15.000 Euro pro Person), bezugsähnliche Zahlungen wie sonstige Bezüge, Abfertigungs- oder Abschlagszahlungen (rund 90.000 Euro pro Person) und in Jubiläumszuwendungen in der Höhe von fast 30.000 Euro pro Person. Es dürfte sich also (wie bis zum Platz sieben) um Personen vor der Pensionierung handeln.

HTL-Lehrer(in) auf 5. Platz
Auf Platz fünf folgt ein HTL-Lehrer mit knapp über 197.000 Euro brutto. Auch hier gab es Sonderzahlungen von fast 15.000 Euro und bezugsähnliche Beträge von fast 90.000 Euro brutto. Gemeinsam ist den ersten Fünf, dass ihre Überstundenleistungen nicht ausufernd sind: Sie werden mit 1000 bis 5000 Euro taxiert.

Berufsschullehrer(in) mit 176.000 Euro
Nummer sechs ist ein oder eine Berufsschullehrer(in) mit einem Bruttoverdienst von gut 176.000 Euro. Berufsschulen befinden sich wie Volksschulen in Landeshoheit. Diese Person erhielt bezugsähnliche Beträge in Höhe von rund 79.000 Euro bei einem Grundgehalt von rund 70.500 Euro brutto. Die Sonderzahlungen machen hier gut 12.000 Euro, die Überstunden rund 13.500 Euro aus.
Volksschullehrer(in) mit mehr als 174.000 Euro Bruttogage
Nummer sieben im Bunde ist ein oder eine Volksschullehrer(in) mit über 174.000 Euro Jahresgehalt. Davon beträgt das Gehalt rund 59.000 Euro. Die hohe Gage kommt wegen fast 79.000 an bezugsähnlichen Zahlungen und beinahe 27.000 Euro an Jubiläumsgeldern zustande.
Fast 42.000 Euro mit Überstunden
Platz acht, neun und zehn belegen wiederum HTL-Leute. Dabei handelt es sich um einen Direktor und zwei Abteilungsvorstände. Die Bruttogehälter der drei Personen bewegen sich zwischen gut 165.000 und rund 172.000 Euro. Der Direktor kommt auf Zulagen von über 22.000 Euro, die beiden anderen Personen auf fast 12.000 und rund 14.000 Euro. Dazu kommen noch Sonderzahlungen von bis zu 18.000 Euro. Die Grundgehälter belaufen sich auf zwischen gut 71.000 und rund 87.000 Euro. Auffallend bei allen Dreien: Relativ hohe Überstundenzahlen. Zweimal gut 42.000 Euro und einmal rund 38.000 Euro. Wie der Kärntner MONAT in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, können sich unterrichtsbefreite Schulleiter aufgrund der Schulautonomie selbst Vertretungsstunden zuteilen, wenn Lehrer krankheitsbedingt ausfallen. Diese sogenannten Supplierstunden werden dann zusätzlich zum Gehalt bezahlt – obwohl der Schulleiter ohnehin in der Schule ist.

Schulleiter mit mehr als fünf Jahren an Überstunden
Die Überstundenangaben oben umfassen auch Guthaben am Zeitkonto. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für Überstunden von Kärntner LehrerInnen auf 14 Millionen Euro im Jahr 2025. Es gibt eine/n Schulleiter/in, der/die so viele Überstunden angesammelt hat, dass die Person „in Form einer Freistellung für fünf Jahre und zwei Monate“ vor der Alterspension ins Private abgleiten kann, so die befragten Behörden. Die Kosten für seine Freistellung belaufen sich „auf rund 530.000 Euro“, teilt die Bildungsdirektion mit. Etwaige Lohnerhöhungen sind in diesem Betrag noch nicht berücksichtigt.
Nach dem Altrecht fallen für jede Vertretungsstunde 49,20 Euro an, die in der jeweiligen Woche über eine Vertretungsstunde und im jeweiligen Unterrichtsjahr über zehn Vertretungsstunden hinausgeht (die ersten 10 Vertretungsstunden sowie jede erste Vertretungsstunde in der Woche werden somit nicht vergütet). Nach dem Neurecht fallen für jede Vertretungsstunde 49,20 Euro an, die bei einer Vollbeschäftigung über 24 Vertretungsstunden hinausgeht (somit werden die ersten 24 Vertretungsstunden im Schuljahr nicht vergütet; die 49,20 Euro werden daher ab der 25. Vertretungsstunde im jeweiligen Schuljahr ausbezahlt).
Nachträgliche Anmerkungen, 14. März 2025:
- Weil Kritik geäußert wurde, dass dieser Bericht nicht die Gesamtsituation der LehrerInnen darstellt: Das wollte er auch nicht. Die Anfrage beim Ministerium schloss die höchsten LehrerInnengehälter und die Überstundensituation eines Schulleiters mit ein.
- Die Tabelle der Zahlungen wurde am 14. März 2025 hinzugefügt. Auf Facebook wurde sie schon davor veröffentlicht.
- Die von Beginn an ausgewiesenen „bezugsähnlichen Zahlungen“ (sonstige, Abfertigungs- und Abschlagszahlungen) wurden detailliert.
Da bleibt einem ja die Luft weg, jeder Privatangestellte ist der Volldepp der Nation, steht in vollem Arbeitsplatzrisiko während man noch solche Bezüge über die beinahe höchste Steuerquote Europas finanzieren darf. Zusätzlich noch 3 Monate Ferien für die Herr- und Damenschaften… was sind „bezugsähnliche Beträge“ ? Wieviel von den dargestellten Bezügen sind regelmäßig (eine Abfertigung fällt einmal an) – das wäre noch hilfreich für eine Bewertung… besten Dank.
Danke für die Nachfrage: Bezugsähnliche Zahlungen werden vom Ministerium wie im Artikel beschrieben als sonstige Zahlungen, Abschlags- und Abfertigungszahlungen beschrieben. Mehr Info gibt es dazu vom Ministerium nicht. Das heißt, dass diese Personen vor der Pensionierung stehen könnten. Das ist aber bloß eine Schlussfolgerung, weil es sich eben um Abfertigungen handeln soll, deren genaue Höhe aber nicht ausgewiesen ist. Beste Grüße.
Ja, danke für die Information. Aber man kann getrost davon ausgehen, dass die Damen und Herren mit „Überstunden“ nach einigen Jahren im mittleren/höheren Schulbereich regelmäßig jenseits der 100.000 Euro/Jahr Einkommen beziehen. Laut OECD verdienen Österreichs Lehrer weit über dem OECD Schnitt und das bei äußerst mittelmäßigen PISA Ergebnissen UND geringeren Unterrichtszeiten als im OECD Schnitt.
https://www.schule.at/bildungsnews/detail/bildungssysteme-im-oecd-vergleich#:~:text=Lehrergeh%C3%A4lter%20%C3%BCber%20OECD%2DDurchschnitt,84%20und%2088%20Prozent).
Eine Anfrage an das Ministerium im Sinne der Informationsfreiheitsgesetzes wäre die Medianverteilung der Einkommen inkl. Überstunden- und sonstigen regelmäßigen Einkommensbestandteilen.
Internationaler Vergleich: Österreichs Lehrer verdienen viel, Schüler bleiben oft sitzen
https://www.diepresse.com/18846667/internationaler-vergleich-oesterreichs-lehrer-verdienen-viel-schueler-bleiben-oft-sitzen
Wenn solche Auswucherungen möglich sind sollt wir uns fragen wer dafür verantwortlich ist. Wer kontrolliert die Gehälter und Leistungen, welche seit Jahren abgerechnet und ausbezahlt werden. Weder die Behörden noch die Lehrergewerkschaft können sich da moralisch und standesrechtlich herausreden, auch wenn sie es versuchen sollten.
Internationaler Vergleich: Österreichs Lehrer verdienen viel, Schüler bleiben oft sitzen
https://www.diepresse.com/18846667/internationaler-vergleich-oesterreichs-lehrer-verdienen-viel-schueler-bleiben-oft-sitzen
Unsere armen Lehrer sind selbstverständlich weit unterbezahlt… bei den Top-Lehrern stimme ich zu, bei den leider meistens mittelmäßigen Lehrkräften ist es zu viel. Aber die Gewerkschaft richtet das schon, keine Sorge… oh wait, die haben jetzt ja zuerst für sich die Zulagen verfünffacht, wie man in der ZIB2 vom 13.3. berichtet hat…statt 840.– Euro/Monat Personalvertreterzulage jetzt 3.400.–/Monat als Zulage… Respekt… erwirtschaften müssen das eh die Arbeiter, Privatangestellten und Selbständigen für unsere GÖD-Leute – sehr fein…
Macht mal diese Arbeit und ihr werdet feststellen, dass das weit unterbezahlt ist …
(außerdem: wozu braucht es eine Anfrage nach dem IFG? Die Lehrergehaltstabellen sind öffentlich zugänglich…)
Und da stehen natürlich auch Überstundenzahlungen, Jubiläumsgelder, Sonderzahlungen etc. drin …
Internationaler Vergleich: Österreichs Lehrer verdienen viel, Schüler bleiben oft sitzen https://www.diepresse.com/18846667/internationaler-vergleich-oesterreichs-lehrer-verdienen-viel-schueler-bleiben-oft-sitzen Unsere armen Lehrer sind selbstverständlich weit unterbezahlt… bei den Top-Lehrern stimme ich zu, bei den leider meistens mittelmäßigen Lehrkräften ist es zu viel. Aber die Gewerkschaft richtet das schon, keine Sorge… oh wait, die haben jetzt ja zuerst für sich die Zulagen verfünffacht, wie man in der ZIB2 vom 13.3. berichtet hat…statt 840.– Euro/Monat Personalvertreterzulage jetzt 3.400.–/Monat als Zulage… Respekt… erwirtschaften müssen das eh die Arbeiter, Privatangestellten und Selbständigen für unsere GÖD-Leute – sehr fein…
Ja sicher, massiv unterbezahlt natürlich… OECD weit die zweithöchsten Gehälter nach Luxemburg, aber unterbezahlt – mit den Zulagen für Viele dann fast mal Zwei, oder? Ihr habt alle keinen Bezug zur wirtschaftlichen Realität vieler MitbürgerInnen in den privaten Unternehmen, die mit dem massiven Wettbewerb um Arbeitsplätze fürchten müssen, geschweige denn ältere Arbeitnehmer die den Arbeitsplatz verlieren… deshalb noch was drauflegen auf die öffentlichen Gehälter, v.a. für die Gewerkschafter und Personalvertreter. Da braucht man dann schon auch 3 Monate Erholungsphasen, wenn man das ganze Jahr für seine Zulagen lobbyieren muß… man hält diese Realitätsferne vieler Staatsbediensteter nur mehr mit Sarkasmus aus…
Laut OECD hat Österreich das zweitteuerste Schulsystem der Welt, das liegt an den Spitzengehältern vieler Lehrpersonen. Zu betonen ist, dass Überstunden, die vielen Lehrern und Schulleitern in Kärnten Spitzengehälter besorgen, zu einem großen Teil künstlich erzeugt werden. Mit der Einführung der Schulautonomie wurde die Personalauswahl von der Bildungsdirektion weg zu den Schulleitern verlagert. Die Schulleitungen können daher nun eigenständig Bewerber nach einem Vorstellungsgespräch als ungeeignet ablehnen und verteilen anschließend die dadurch erzeugten Mehrdienstleistungen zwischen sich und dem bestehenden Lehrerkollegium.
Zudem ist trotz des dramatischen Geburteneinbruchs in Kärnten in den letzten Jahrzehnten (und deutlich gestiegenen Integrationsproblemen), die Zahl der Schüler an höheren Schulen konstant geblieben bzw. gestiegen. Das nur deshalb, da mittlerweile fast jeder Schüler (selbst mit einem katastrophalen Zeugnis in der Mittelschule die Aufnahmsprüfungen an höheren Schulen) schafft. Der Grund dafür ist auch ein rein finanzieller, desto mehr Schüler und desto Klasse, desto mehr Mehrdienstleistungen und desto höher der Gehalt.
Die tatsächliche Qualität des Unterrichts sinkt hingegen immer weiter ab.
Die Luxusgagen im Schulbereich sind in Österreich kein Zufall, liegt doch die wahre Macht in Bildungspolitik bei der Lehrergewerkschaft.
Die Kleine Zeitung berichtete kürzlich über die Luxuszulagen für dienstfreigestelle Lehrerpersonalverteter, die obwohl die Personalvertretung gesetzlich ein Ehrenamt ist, durch eine Gesetzesnovelle nun über 3.000 Euro monatlich rückwirkend für drei Jahre erhalten.
Zuvor hatte das Bildungsministerium ihnen die Luxuszulagen durch zwei Erlässe zugeschanzt, die beide offenkundig gesetzwidrig waren (sieben von neun Bildungsdirektionen haben diese umgesetzt, obwohl sie offenkundig gesetzwidrig waren).
Im ersten Erlass wurden die Zulagen mit einer fiktiven Ersatzkarriere als Schulaufsichtsbeamter argumentiert, obwohl nur rund 2 Promille der Lehrer zu Schulqualitätsmanagern befördert werden.
Im zweiten Erlass wurde ihnen 16 fiktive Überstunden pro Woche zuerkannt.
16 Überstunden pro Woche würde im Lehrerdienstrecht bedeuten, dass die Dienstzeit für Personalvertreter 72 Wochenstunden (!) beträgt (da jede Unterrichtsstunde als Dienstzeit doppelt gewertet wird – aufgrund der mit eingeschlossenen Vor- und Nachbereitungszeit, die leider auch bei vielen Lehrpersonen lediglich Fiktion ist).
Nun gibt es für Lehrer-Personalvertreter keinerlei Aufzeichnungen über ihre tatsächlich geleistete Arbeitszeit. Wer mit der Realität vertraut ist, kann jedoch davon ausgehen, dass bei den zahlreichen dienstfreigestellten Lehrerpersonalvertreter die tatsächliche Arbeitszeit eher einem Halbtagsjob gleicht (mit de-facto über 3 Monaten Urlaub pro Jahr). Von tatsächlich geleisteten Überstunden und Mehrdienstleistungen ist der Großteil von ihnen jedenfalls weit entfernt.
Schließlich haben auffallend viele Lehrerpersonalvertreter Zeit für zahlreiche Nebenbeschäftigungen und Nebeneinkünfte, wie in Kärnten als Landtagsabgeordnete (und SPÖ Bildungssprecher) und hochranginge Gewerkschaftsfunktionäre.
Top Analyse von Andreas, man kann gar nicht soviel f…. wie man k…. möchte, wenn man das liest – das ist einfach das polit-gewerkschaftlich-verhaberte österreichische System. Möchte nicht alles über einen Kamm scheren, aber da werden permanent Millionen in einem System verschleudert, wo sich Politgünstlinge bequem eingerichtet und in den Bildungsdirektionen versorgt werden. Eines der teuersten Bildungssysteme bei immer schlechteren Ergebnissen. Gleichzeitig fehlt es bei der Bildungsinfrastruktur und Weiterentwicklung von Bildung an allen Ecken und Enden, v.a. auch weil die überbezahlten Gewerkschafter vieles blockieren, was nur den Anschein einer Modernisierung am Dienstrecht mit sich bringt. Aber zuerst wird sowieso geschaut, dass die Gewerkschafter selbst am besten versorgt sind – siehe die irren Personalvertretergehälter. Einfach nur mehr irre, wie sich dieser Staat immer weiter hinten einreiht…