„Geheimpapiere“: Steuerberater Kraßnig erstellte für Scheider Leitfaden zu EKG-Anteilsverkauf

Die Energie Klagenfurt GmbH ist die Cash Cow der Stadtwerke.
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Er habe – sagte Christian Scheider der Kärntner Gemeindeaufsicht – dem Steuerberater Ulrich Kraßnig keinen Auftrag erteilt, die Stadtwerketochter EKG zu bewerten. Die EKG (Energie Klagenfurt GmbH) gilt als wirtschaftliche Cashcow der Klagenfurter Stadtwerke (STW). Wörtlich erklärte Scheider: „Ein konkreter Bewertungsauftrag für die EKG wurde an DDr. Kraßnig nicht erteilt.“

Nun stellt sich die Frage, warum Kraßnig dennoch genau das getan hat? Mediapartizan.at wurde ein bislang geheim gehaltenes, über 100 Seiten starkes Papier zugespielt, für das 18.000 Euro Steuergeld bezahlt wurden. Darin erarbeitete Kraßnig detaillierte Szenarien für eine Veräußerung von EKG-Anteilen und erläuterte Schritt für Schritt, wie ein Anteilsverkauf umgesetzt werden könnte.

Papier spricht bereits von „Integration“, „Zusammenführung“ und „potenziellem Partner“

Kraßnig entwickelte drei Verkaufsszenarien mit jeweils unterschiedlichen Eigenkapitalwerten. Das Papier ist aber nicht nur eine bloße Bewertung. Es ist von der „Zusammenführung von Servicekanälen und Vertriebssystemen“, der „Nutzung gemeinsamer Datenplattformen“, der „Integration digitaler Systeme“ und der „gemeinsamen Nutzung von Plattformen für Abrechnung, Reporting und Controlling“ die Rede.

Auch eine „bewusste Strategie zur kulturellen Integration“ zwischen EKG und einem „potenziellen Partner“ wird empfohlen, inklusive gemeinsamer Werte, Führungsprinzipien und Entscheidungswege. Die Einbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Unternehmen wird als notwendig erachtet. Solche Empfehlungen ziehen sich seitenlang durch das Papier.

Anteilsverkauf über „lokale Medien“ kommunizieren

Das Gutachten enthält auch Vorschläge zur öffentlichen Kommunikation. Eine „frühzeitige, klare und konsistente Kommunikation“ sei zentral, um Unsicherheiten und Gerüchte zu vermeiden. Lokale Medien sollten gezielt eingebunden, Informationsveranstaltungen abgehalten sowie digitale Kanäle genutzt werden. Auch Bürgerdialoge werden empfohlen.

Erstellt wurde die Präsentation unter dem Titel „Was die STW zur Konsolidierung tun können“. Als möglicher Partner wird nebulös ein „führender österreichischer Energieversorger“ beschrieben, der zahlreiche Fernwärmenetze betreibe. Ob es sich dabei möglicherweise um die Kelag handelt, steht nicht im Papier.

Scheider: Kraßnig nicht mit Vorschlägen zum EKG-Verkauf beauftragt

Scheider bestreitet in einer Anfrage, Kraßnig mit der Erarbeitung des Leitfadens beauftragt zu haben: „Der Vorschlag, die EKG-Anteile zu verkaufen, war nie Teil des Auftrags.“ Er, Scheider, habe seinerzeit den Rückkauf der EKG-Anteile vom Verbund in die Wege geleitet. „Ein Verkauf der Anteile steht für den Bürgermeister nicht zur Debatte“, so das Büro Scheiders.

Gutachter-Causa: Scheider-Büro und Steuerberater Kraßnig verstricken sich in Widerspruch

Neben dem 18.000-Euro-Gutachten existiert ein weiteres, 12.000 Euro teures Papier Kraßnigs, das vor der Öffentlichkeit ebenfalls unter Verschluss gehalten wird. Beide Gutachten wurden von Scheider beauftragt und umfassen zusammen also einen Auftragswert von 30.000 Euro brutto. Mediapartizan.at berichtete gestern, dass rund 60 Prozent des kleineren Gutachtens aus der bereits bezahlten Jahresabschlussprüfung 2024 der STW stammen.

Auffällig sind die Zeitangaben: Laut Metadaten wurde das 12.000-Euro-Gutachten am 29. Oktober 2025 erstellt, die Rechnung datiert jedoch vom 14. Mai 2025. Beim 18.000-Euro-Gutachten verhält es sich ähnlich: Rechnung im Dezember 2024, Erstellung laut Metadaten erst am 24. Oktober 2025. Was die Frage begründet, ob hier Rechnungen beglichen wurden, für die es keine Leistung gab?

Das Bürgermeister-Büro verneint das. Kraßnig habe beide Gutachten zeitlich nah an der Rechnungsstellung in Papierform abgegeben, sie seien jedoch im Rathaus „verschlampt“ (Kraßnig) worden. Im Oktober 2025 habe er sie deshalb erneut eingebracht, danach seien sie eingescannt worden. Weshalb das Erstellungsdatum dem Scan-Datum entspreche.

Papierform vs. Datenstick

Bis zu einem gewissen Grad gleicht die Aussage Kraßnigs jener des Bürgermeister-Büros. Doch in einem Punkt besteht ein nicht unwichtiger Unterschied. Zwar spricht Kraßnig in seiner Auskunft auch davon, dass die Gutachten im Bürgermeister-Büro verloren gegangen seien und er die Dokumente noch einmal übergeben habe müssen – aber nicht in Papierform. Auf die Frage, ob er die Dokumente auf einen Datenstick geladen und diesen dann ins Rathaus gebracht habe, sagt Kraßnig nämlich wörtlich: „Genau. Genau so war´s.“

Für die Scan-Version spricht allerdings die Gerätekennung „RICOH IM C300“ in den Metadaten – ein im Rathaus verwendeter Scanner. Unklar bleibt dennoch, warum die beiden Gutachten, obwohl angeblich gemeinsam übergeben, an unterschiedlichen Tagen eingescannt worden seien.

Die brisanteste Frage ist aber vielleicht diese: Warum wurden die beiden Dokumente nicht schon bei der ersten Übergabe Kraßnigs vom Bürgermeister-Büro eingescannt?

„Copy-Paste“-Gutachten

Die SPÖ kündigte an, die 30.000 Euro bei Scheider regressieren zu wollen und einen entsprechenden Antrag im Gemeinderat einzubringen. Vizebürgermeister Ronald Rabitsch sprach in einer Pressekonferrenz von einem „Copy-Paste“-Gutachten des kleineren Papiers. Die Angelegenheit, so Rabitsch, „stinkt zum Himmel“.

Update: Kraßnig meldet sich nach Veröffentlichung

Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieser Geschichte meldete sich Ulrich Kraßnig telefonisch. Er habe die Frage, ob er die Gutachten auf einem Stick überbracht habe, falsch verstanden. Kraßnig erklärt, die Dokumente doch in Papierform im Bürgermeisterbüro abgegeben zu haben.

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