Die Stadt Klagenfurt hatte den dritten Stock der Mittelschule (MS) 6 in St. Peter vorsorglich gesperrt. Dort war am 19. April 2026 ein Deckenteil heruntergekracht – in einem Abstellraum, wie die Stadt erklärte. Auf der Etage befinden sich EDV- und Musik-Sonderlehrräume. Verletzt wurde niemand. Außerdem war es ein Sonntag.
In der MS St. Peter drücken rund 350 Schüler die Schulbank. Der Deckenbruch zog zahlreiche Schlagzeilen nach sich. Die Kleine Zeitung bezeichnete das Gebäude als „eine der marodesten Schulen der Stadt“.
Aber in dieser Geschichte geht es nicht um einen Deckenbruch. Es geht auch nicht darum, ob der Deckenteil, der runterkrachte, groß oder klein war. Oder das Schulgebäude Mängel aufwies – die gab es. Und es geht auch nicht darum, aus welchem Grund sich das Deckenpaneel löste.
Unwahre Behauptungen
Es geht vielmehr darum, wie die Stadt Klagenfurt sich wehrte, Unterlagen zu ÖNORM-B-1301-Sicherheitsbegehungen der MS St. Peter herauszugeben. Und es geht darum, wie die Stadt die Unwahrheit über genau diese Sicherheitsbegehungen behauptete und an Journalisten verschickte. Und das „im Auftrag“ eines der höchsten Stadtpolitiker.
Die Vorgeschichte: Der Autor dieser Zeilen schickte der Stadt Klagenfurt drei Tage nach dem Deckenbruch, am 22. April 2026, eine Anfrage nach Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Darin stand:
Wann gab es die letzten Begehungen der Schule nach Ö-Norm B 1300? Ich ersuche um Übersendung aller Protokolle der Begehungen der Schule nach Ö-Norm B 1300 bis heute mit allem, was dazu verzeichnet wurde.
(Anm.: Es handelte sich um ÖNORM-B-1301-Begehungen (nicht 1300)).
Dann geschah über einen Monat lang: nichts. Damit verletzte die Stadt das Informationsfreiheitsgesetz. Sie hätte innerhalb von vier Wochen erklären müssen, dass sie es in dieser Frist nicht schaffe, die IFG-Anfrage zu beantworten. Am 31. Mai erfolgte deshalb eine Urgenz an die Stadt, die dann am 2. Juni von der Abteilung Facility Management, die für die Sicherheitsbegehungen in der Schule verantwortlich ist, beantwortet wurde:

Daraufhin erfolgte am gleichen Tag, dem 2. Juni, die zweite Urgenz an die Stadt: Die Absage mit der Begründung, der „beauftragte Sachverständige stimmt einer Freigabe der Protokolle nicht zu“, sei unverhältnismäßig. Denn: Mit so einer Begründung könnte das IFG wohl ausgehebelt werden. Weshalb die Stadt darauf hingewiesen wurde, dass sie sensible Passagen in den verlangten Begehungsprotokollen ja auch schwärzen könnte. Was sie aber nicht tat.
Protokolle wurden nicht ausgehändigt
Stattdessen lud sie den Autor dieser Zeilen und die Kleine Zeitung am 8. Juli per E-Mail zu einem Termin in die Abteilung Facility Management der Stadt Klagenfurt ein. Dort hätte man wohl unter Aufsicht und Auskunft der Abteilung Einsicht in die Unterlagen nehmen dürfen. Das Kopieren, Fotografieren oder Mitnehmen der Protokolle wurde aber weiterhin verboten, wie die Stadt auf Anfrage mitteilte. Der Autor dieser Zeilen lehnte ab.
Doch das E-Mail ist weit brisanter als es den Anschein hat. Es wurde nämlich „im Auftrag von Bildungsreferent Vizebürgermeister Ronald Rabitsch“ (SPÖ) verschickt:

Und es enthält pikante Passagen:

Die Stadt schreibt „im Auftrag“ des SPÖ-Vizebürgermeisters Rabitsch, die „ÖNORM-1301-Überprüfung“ erfolge „jährlich“. Vorgeschrieben wäre nur „eine Überprüfung alle zwei Jahre“. Die „Sicherheit der Kinder hat oberster (sic!) Priorität“. Deshalb „das jährliche Intervall“.
Herausgegeben wurden die Protokolle aber weiterhin nicht. Woraufhin der beigezogene Völkermarkter Rechtsanwalt Gottfried Tazol eine juristische Urgenz an die Stadt schrieb. Erst dann gab die Stadt ein (1) ÖNORM-B-1301-Sicherheitsbegehungsprotokoll aus dem Jahr 2025 heraus. Und erwiderte, dass dem IFG-Ansuchen damit vollständig entsprochen worden wäre – was nicht der Fall war.
Denn die IFG-Anfrage lautete auf Herausgabe aller Protokolle (siehe oben). Woraufhin die Abteilung Facility Management argumentierte, Einzahl und Mehrzahl verwechselt zu haben. Und schlussendlich das 2023er-Protokoll herausgab. In dem stand: Dass 2024 von der Stadt eine ÖNORM-B-1301-Überprüfung in der MS St. Peter durchgeführt werden solle – dem die Stadt aber nicht nachgekommen ist.

Falsch informiert
Womit klar ist, dass die von der Stadt Klagenfurt im erwähnten E-Mail behaupteten jährlichen Begehungen nach ÖNORM B 1301 nicht stattgefunden haben. Und das Rathaus Journalisten unwahr informierte.
Laut TÜV Austria seien im Rahmen des ÖNORM-B-1301-Standards aber jährliche Intervalle empfohlen. Auch die Wirtschaftskammer hat bereits 2017 in einem Merkblatt für Baumeister festgehalten, dass jährliche Begutachtungen ratsam seien. Bis 2023 hat die Stadt jedoch überhaupt keine ÖNORM-B-1301-Begehungen durchgeführt.
Mit den Vorwürfen konfrontiert sagt Vizebürgermeister Rabitsch: „Die Behauptung, es habe eine Anweisung oder einen Auftrag meinerseits zur Weitergabe von Falschinformationen gegeben, weise ich aufs Schärfste zurück. Mein einziges Anliegen war und ist Transparenz gegenüber den Medien und der Bevölkerung.“
Diese Story erschien am 4. August als erstes in der Tageszeitung DER STANDARD, für die der Autor tätig ist.


Vielen Dank Hr. Miklautz für Ihre wertvolle Arbeit. Ich denke in diesem Fall jedoch schon, dass von seiten Hr. Rabitsch Transparenz hinsichtlich des Status Quo gewünscht wurde. Wie die Sachlage im Detail wirklich aussieht, ist auch er auf die Informationen von Seiten der Beamtenschaft angewiesen. Dass hier dann offenbar Falschinformationen erteilt wurden, muß man vermutlich der zuständigen Abteilung anlasten. Dies ist in der ganzen, wieder einmal erschreckend schlampigen Behandlung der Angelegenheit von Seiten des Magistrats, aus meiner Sicht aber nicht einmal der Hauptaspekt. Das Armutszeugnis der Verwaltung dieser Stadt ist, dass man nicht in der Lage ist, das Funktionieren der öffentlichen Infrastruktur zu gewährleisten. Nachdem Geld für Rechtsanwälte, Gerichtsprozesse, Personalkosten jenseits von gut und böse sowie fragwürdige Immobiliendeals (Rohrer Gründe – Preissteigerungen von 1 Mio. Euro quasi über Nacht, die die Stadt akzeptiert, siehe Interview in „DiePresse“ mit Anneliese Rohrer oder auch der offenbar überteuerte Kauf des Gebäudes am Domplatz, das jetzt überraschenderweise nach wenigen Jahren für Millionen saniert werden muß) verjubelt wurden, können wir nicht einmal mehr die körperliche Sicherheit und angemessene Ausstattung in unseren Schulen gewährleisten. Es können offenbar auch keine zeitgemäßen elektronischen Schultafeln gekauft werden. Aber gleichzeitig fallen die Schulgebäude in sich zusammen. Der Gebührenhaushalt, der u.a. für die Erneuerung der Kläranlage herangezogen werden soll, ist geplündert für 34 % (oder sogar 39 %?) Personalkostenanteil am Gesamtbudget. Ein österreichweiter Spitzenwert bezüglich Personalkosten. Noch deutlicher kann man die Abwirtschaftung dieser Stadt durch diese Politiker in den letzten 20 Jahren nicht darstellen. Es ist ein einziges Trauerspiel…
Danke Ihnen vielmals.
Ich glaube auch, dass Vbgm. Rabitsch falschen Informationen aufgesessen ist bzw. sich auf diese Informationen verlassen hat. Dennoch: Das Mail ist explizit in seinem Namen ausgesendet worden. Wenn ich er wäre, würde ich mir die Verantwortlichen zur Brust nehmen.
Ad) Rohrer-Gründe: Die sind nicht über Nacht teurer geworden. Es wurde nur geheim gehalten, dass ein Rohrer-Familienmitglied ohne Wissen der anderen 1 Mio. mehr bekommen hat.
Schöne Grüße und nochmal danke! F. Miklautz
Besten Dank für den Hinweis zu den Rohrer-Gründen. Ich hatte das tatsächlich mit dem Kauf der Portam Bauträger GmbH durch das Magistrat um 900.000 Euro verwechselt. Diese war eine Kollitsch Tochterfirma und wurde offenbar im Zuge des Kaufs der Rohrer Gründe erworben, man hat von Kollitsch als Zwischenhändler also die Gründe abgekauft und ihm gleichzeitig auch eine Baufirma abgekauft die man dann in Klagenfurt Vitalbad GmbH umfirmiert hat… Für was bitte? Cui bono?? Das Interview mit Anneliese Rohrer in der Kleinen Zeitung vom 25.2.2020 ist ja eindeutig (https://www.kleinezeitung.at/artikel/5772015/Klagenfurt_Anneliese-Rohrer_Die-Stadt-haette-Millionen-sparen-koennen) – bei direkten Verhandlungen mit den Eigentümern hätte sich die Stadt Millionen erspart. So wurde der Grund teurer und gleichzeitig hat man auch noch um 900.000 Euro eine Firma gekauft. Was genau wurde da erworben? Eine Firmenhülle? Was macht diese Gesellschaft? Waren/sind die Rohrergründe darin geparkt? Bei dieser Geldvernichtungsmaschine Magistrat wird einem nur noch übel…
Wenn man den Leiter des Facility Managents kennt, wundert einen nichts mehr. Gehört(e) zur Jost-Truppe und kam als „Roter“ von den STW.
Darf man jetzt angesichts multipler vergangener und ähnlicher Konstellationen, eigentlich „Lügenstadt“ sagen?
rabitsch hin oder her, sagt ja vieles über die qualität und sorgfalt der protagonisten unserer metropolenspitzenpolitik aus, gell