Trotz zahlenmäßig geringem Interesse lieferten sich am Mittwoch am Bezirksgericht (BG) Klagenfurt drei Bieter ein spannendes Rennen um eine Immobilie des ehemaligen Flughafeninvestors Franz Peter Orasch (Lilihill-Gruppe). Die Liegenschaft, auf der das Haus Villacher Ring 23 steht, befindet sich im Lendhafenviertel in Klagenfurt. Bekanntester Gastronom dort: „Hafenstadt“-Eigentümer Michael Pontasch. Er beteiligte sich mit seiner Hafenstadt Urban Area GmbH an der Versteigerung.

Mindestgebot 200.000 Euro
Die zweite mitbietende Firma gab gegenüber der Richterin die Firmenbuchnummer 511558t bekannt. Hinter dieser Nummer findet sich eine Eline Vermögensverwaltung GmbH aus Wien. Dritter Bieter war ein privater Interessent. 15 Minuten nach Saaleinlass startete die Richterin die Versteigerung – mit einem Mindestgebot von 200.000 Euro. Alle drei Bieter hoben die Hand. Die Richterin legte die Gebotsstufen zuvor in 10.000-Euro-Schritten (oder ein Mehrfaches davon) fest und erklärte den Bietern, dass man sich einer Strafe von bis zu 10.000 Euro aussetze, wenn der Meistbietende nicht über das entsprechende Vadium verfüge. Ein Vadium dient der Sicherstellung der Zahlung des Meistbots.
Nachdem alle drei Bieter bei 200.000 Euro die Hand gehoben hatten, blickte die Richterin um weitere Gebote in die Runde. Daraufhin legte Pontasch die Latte auf 230.000 Euro. Ob jemand mitgehen wolle, fragte die Richterin. Doch die zweite Firma ließ die Hand unten und war somit ausgestiegen. Damit nur mehr im Rennen: Pontasch und der private Bieter. Und der erhöhte auf 240.000 Euro. Pontasch antwortete mit 250.000 Euro. „War’s das?“, fragte die Richterin. Aber das war es nicht.
Pontasch: Strategischer Kauf
Denn der Private ging auf 260.000 Euro. Schlussendlich legte Pontasch 270.000 Euro nach. Damit war das Rennen gelaufen. Der Jurist bekam als Meistbietender den Zuschlag. „Wir wissen noch nicht, was wir mit dem Gebäude machen werden“, sagte Pontasch auf Anfrage. Gekauft habe er das Gebäude „aus strategischen Gründen“. Was wohl heißt, dass das Haus keinem Bauträger zufallen sollte, der das Lendhafenviertel charakteristisch entfremden könnte. Pontasch hat in den letzten Jahren maßgeblich zur Belebung des Lendhafenviertels beigetragen. Seine „Hafenstadt“ ist der Gastromotor am Lendhafen-Areal.
Der Verkehrswert der Liegenschaft lag laut Gutachten bei 254.000 Euro. Das Vadium bei 25.400 Euro. Betreiber der Zwangsversteigerung war die Austrian Anadi Bank, bei der Oraschs Stapledon Holding GmbH, der das Gebäude gehört, offenbar Zahlungsrückstände hat. Von Oraschs Lilihill-Gruppe war bei der Versteigerung niemand anwesend. Bei der am Dienstag durchgeführten Besichtigung des Gebäudes soll Orasch jedoch anwesend gewesen sein. Die Anadi Bank steht mit einem Pfandrecht im Höchstbetrag von 280.000 Euro im Grundbuch. Betrieben worden war die Zwangsversteigerung wegen 75.000 Euro an mutmaßlichen Zahlungsrückständen.
***Foto: Google Earth
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