Rückschlag für Lagunenpläne: Land dementiert Risiko für Wörthersee wegen möglicher Altlasten beim Buberlemoos

Heftig umkämpft: Das Pörtschacher Buberlemoos
Heftig umkämpft: Das Pörtschacher Buberlemoos

Nun wird es an Klaus Bidovec liegen. Der Vize-Chef der Bezirkshauptmannschaft (BH) Klagenfurt-Land wird entscheiden müssen, wie es mit dem mittlerweile über die Ortsgrenzen bekannt gewordenen Pörtschacher Buberlemoos weitergehen soll. Wie berichtet, wollen ein einheimischer und ein deutscher Grundbesitzer dort eine künstliche Lagune mit – anfänglich geplanten – 17 Bauparzellen errichten. Das meldete die Kleine Zeitung. Die Pläne sind bereits einige Jahre alt und ließen die Wogen in der Wörthersee-Gemeinde hoch gehen. Die FPÖ und auch die Grünen bekämpfen seither das Projekt und führen vor allem an, dass der Bau einer Lagune wohl ein Präzedenzfall für weitere Projekte dieser Art sein könnte. Die Parzellen, so der damalige Plan, hätten eine eigene Motorbootzufahrt gehabt. Und wären für finanzschwache Wohnungssuchende wohl nichts gewesen: Insgesamt handelte es sich um ein Millionenprojekt.

Studie sprach von Kontaminierung

Am 16. April dieses Jahres kam es dann zu einem Knalleffekt. Die beiden Projektwerber legten eine privat beauftragte Studie vor, aus der hervorgeht, dass der Boden beim Buberlemoos kontaminiert sei. Der ORF Kärnten berichtete, dass in dem Gebiet bzw. auf der Roseneck-Halbinsel „40.000 Tonnen grobblockiges Material lagern, darunter Glas, Metall, Kunststoff, Holz, Asphalt, Teer und Bauschutt“. Er zitierte aus der Studie: „Die angetroffenen illegal gelagerten Abfälle bilden aufgrund der unmittelbaren Nähe auch ein Risiko für die Wasserqualität des Wörthersees“. Es gebe „markante Überschreitungen bei Kohlenwasserstoffen, polyzyklischen Aromaten und Ammonium“ und es sei „mit Sicherheit Gefahr in Verzug“, sagte Gerhard Seifried, Sprecher der beiden Eigentümer, der auf mehrmaliges Nachfragen des ORF überraschenderweise verneinte, dass es Immobilienpläne gäbe.

Untersuchung des Landes: Keine Gefahr für Wörthersee

Schon neun Tage nach Bekanntwerden der Studie zog das Land Kärnten eigene Proben „vom Wörthersee und vom Wasserbestand im Buberlemoos“, sagt der verantwortliche Sachverständige Michael Rabitsch. Er hatte bereits vor zwei Jahren untersucht, ob mögliche Anschüttungen, die im Bereich des Buberlemooses stattgefunden haben, Auswirkungen auf die Wasserqualität des Wörthersees haben. Die damalige Antwort: Nein. Rabitsch fand keine Beeinträchtigung des Wassers.

Und auch aktuell kommt Rabitsch zum gleichen Ergebnis: „Eine Auswirkung von Anschüttungen im Buberlemoos auf das Wasser des Wörthersees ist nicht gegeben“, sagt Rabitsch auf Anfrage von Mediapartizan.at. Der Landessachverständige zog die Proben am 25. April. Er entnahm auch Proben vom Wasserbestand am Buberlemoos selbst. Und auch auf dieses Wasser haben mögliche Anschüttungen „keine Auswirkungen“, so Rabitsch.

Sein Gutachten liegt nun bei Bidovec, wie Rabitsch erklärt. Die BH müsse nun entscheiden „ob ein öffentliches Interesse vorliege. Fragt sich eigentlich nur: wofür? Wenn es kein Immobilienprojekt gibt, wie Seifried betonte, wofür soll dann noch eine Lagune gebaut werden? Bidovec befindet sich derzeit auf Kur und konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Auch Seifried war für ein Statement vorerst nicht verfügbar.

„Natur kann Profitgier besiegen“

Erst im März war es zu erheblichem Aufsehen gekommen, weil das Land Kärnten der Gemeinde Pörtschach empfahl, das Buberlemoos zu einem „örtlichen Naturdenkmal“ zu erheben. Dazu war es auf Initiative von FPÖ-Gemeindevorstand Florian Pacher gekommen. Der sagt zu den nunmehrigen Ergebnissen des Landes: „Die Eigentümer wollten den Bau einer künstlichen Lagune mit Luxusimmobilien als Renaturierungsprojekt tarnen und haben nun endgültig auch noch das letzte vermeintliche Argument dafür verloren“, so Pacher. „Ein willkommener Präzedenzfall dafür, dass die Natur die Profitgier besiegen kann.“ Auch Gabriele Hadl von den Grünen erklärt, „dass wir uns nichts anderes erwartet haben. Wenn das Wörthersee-Wasser wirklich verseucht gewesen wäre, wäre es ja vom Land und von der BH fahrlässig gewesen, die Bevölkerung nicht zu informieren.“ Jetzt, so Hadl, „hat die BH Gewissheit: Es gibt kein öffentliches Interesse an diesem Megaprojekt. Der Akt ist nun ein für alle Mal zu schließen.“

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