Interne Prüfung: STW-Vorstand griff in Gastro-Vergabe in Seebad Loretto ein

Das Strandbad Loretto von oben (c) Stadtkommunikation/Kulterer
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Hat er? Oder hat er nicht? In die Vergabe der Gastronomie im Seebad Loretto am Wörthersee eingegriffen? Die Rede ist von Stadtwerke-Klagenfurt-Vorstand Erwin Smole. Der soll laut einer Eidesstättigen Erklärung im Jahr 2023 das Ergebnis der Ausschreibung der Gastro im Loretto beeinflusst haben. Mit der Folge, dass der Zweite zum Ersten gekürt worden sein soll.

Das berichtete Mediapartizan.at am 3. November 2025 um 17:30 Uhr in der Exklusiv-Story „Eidesstättige Erklärung: „Jonke fragte, ob ich bei Loretto-Vergabe etwas für Höferer machen kann?“. Zweieinhalb Stunden später, um 19:56 Uhr, schreibt Smole unter Bezugnahme auf die Story – offenbar aufgebracht – an seinen Aufsichtsrat: „Zunächst möchte ich klar festhalten, dass es diese Interventionen von meiner Seite in kleinster [sic] Weise gab!“ Das berichtet auch die Kleine Zeitung.

Aus Smoles E-Mail an den STW-Aufsichtsrat.

Smole stellte einen Eingriff in die Vergabe schon in der Story in Abrede und sagte damals zu Mediapartizan.at, „Höferer war bester Anbieter, weil er ein zweites Standbein in der Stadt hatte“.

Wie sich nun aber herausstellte, hat Smole doch korrigierend eingegriffen. Das ergab eine interne Aufarbeitung der Stadtwerke (STW) Klagenfurt, die der Aufsichtsrat aufgrund der Mediapartizan-Story in Auftrag gegeben hatte.

Sommerliebe bis zu sechs Punkte vorne

Mediapartizan.at liegt die handschriftliche Punktevergabe der Bewertungskommission für die beiden Bewerber HG Betriebs GmbH des Klagenfurter Wirtes Gert Höferer und die Sommerliebe Betriebsstätten GmbH & Co KG vor. Sie ist aus dem Jahr 2023. Kurzum: Die Sommerliebe liegt darin fünf bis sechs Punkte vor Höferer (der in Klagenfurt die Teatro-Bar betreibt). Den Vorsprung in fünf bis sechs Punkten anzugeben, erscheint deshalb zweckmäßig, weil einige wenige Kästchen der Bewertungstabellen wegen der Handschriftlichkeit etwas schwieriger zu entziffern sind. Die Bandbreite fünf bis sechs Punkte erscheint aber als sehr sicher.

Aus der aktuellen Aufarbeitung: Smole telefonierte mit einem Mitglied der Bewertungskommission.

Neubewertung musste her

Doch das Ergebnis der Bewertungskommission war offenbar nicht gewünscht. In einem Telefonat mit einem Mitglied der Kommission soll Smole das auch zum Ausdruck gebracht haben. Mit folgender Wirkung: „Aufgrund des Telefongespräches war den Bewertern (…) klar, dass eine Neubewertung zu erfolgen hat.“

Höferer auch im zweiten Durchgang unterlegen

Aber die Bewertungskommission machte Höferer auch im zweiten Durchgang nicht zum Sieger. Möglicherweise um ihr Gesicht zu wahren. In der finalen Tabelle bleibt Höferers HG Betriebs GmbH noch immer 0,6 Punkte hinter der Sommerliebe.

Nach dem Telefonat mit Smole: Höferer (HG Betriebs GmbH) gewinnt die Ausschreibung, obwohl er nur Zweiter war. (Ganz oben ein dritter Bewerber)

Und dennoch: Die STW küren den Zweiten zum Ersten. Grund: „Im Zuge der Vergabe und nach Rücksprache mit dem Segmentleiter Freizeit wurde festgestellt, dass die Flexibilität und rasche Verfügbarkeit von Personal beziehungsweise saisonale Personalschwankungen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Daher erhielt der Zweitgereihte den Zuschlag“, so die STW in einer aktuellen Anfragebeantwortung.

Rubrik „Referenzen“: Sommerliebe nach unten, Höferer nach oben geschraubt

Die Bewertungskommission hatte in sechs Spalten Punkte zu vergeben. Darunter in der Spalte „Referenzen“. Unter der man wohl weitere Standorte der Bewerber verstehen könnte. Und hier ist klar ersichtlich, dass Höferer nach dem Telefonat zwischen Smole und dem Kommissionsmitglied mehr Punkte erhalten hat als im ersten Durchgang, in dem die beiden Kontrahenten noch gleichauf lagen. Trotzdem hatte Höferer am Ende noch immer 0,6 Punkte weniger als die Sommerliebe.

Womit Smole aber Recht hat: Die Rubrik „Referenzen“ war nur mit zehn Prozent gewichtet. Fast alle anderen Spalten mit 20 Prozent. Dennoch bleibt die Frage: Warum wurde „Referenzen“ nicht von Anfang an höher gewichtet? Und: Wurde schlussendlich ein unpassendes Ergebnis passend gemacht?

Insider: Jonke soll für Höferer interveniert haben

Der Insider, der die Eidesstättige Erklärung im November abgegeben hatte, erklärte damals, dass Patrick Jonke ihn, den Insider, vor der Vergabe angerufen habe. „Ich glaube, es waren ein oder zwei Anrufe von Jonke“, der damals Büroleiter von Bürgermeister Christian Scheider (FSP) war. Jonke „fragte mich, ob ich bei der Loretto-Vergabe etwas für Höferer machen kann?“ Er habe „das eindeutig als Intervention zugunsten Höferers“ verstanden, so der Insider weiter. Jonke bestritt damals den Vorwurf: „Daran könnte ich mich nicht erinnern.“ Der „Krone“ sagte er kurze Zeit später, er habe „vielleicht ein gutes Wort eingelegt“.

Der Insider sagte weiters, dass Smole „seine Intervention damit begründete, dass er den Kopf in der Schlinge habe und unter Druck des Bürgermeisterbüros“ stehe. Was Scheider und Smole strikt dementierten. Scheider sagte, er mische sich nicht in STW-Agenden ein.

STW: Ausschreibung „freiwillig“

Heute erklären die STW dazu: Die Entscheidung sei „ausschließlich im Sinne des Unternehmens und ohne politische Einflussnahme für die Bietergemeinschaft HG Betriebs GmbH (Höferer, Anm.) gefallen“. Das sei keineswegs unrechtmäßig, „da die durchgeführte Ausschreibung nicht dem Bundesvergabegesetz unterlag“. Sondern „freiwillig“ war, so die STW.

„Fuckt mich an, was in Klagenfurt passiert“

Mediapartizan.at sprach auch mit anderen Bewerbern um die Gastro im Loretto. Einer, der aus Geschäftsgründen anonym bleiben will, sagte: „Im Klagenfurter Sumpf zu graben, ist sicher kein Fehler.“ Denn: Es „fuckt mich unglaublich an, was da in Klagenfurt passiert“.

Gastro wanderte zu umstrittener TAS GmbH

Die Gastro wanderte schlussendlich von der HG Betriebs GmbH in die TAS GmbH, an der Höferer indirekt beteiligt ist und um die herum es momentan strafrechtliche Ermittlungen wegen einer fragwürdigen WC-Container-Vergabe am Klagenfurter Christkindlmarkt gibt. (Es gilt die Unschuldsvermutung; gegen Organe der TAS GmbH wird nicht ermittelt.)

*** Anmerkung: Einige Faksimiles wurden aus Quellenschutzgründen originalgetreu nachgebaut.

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