Flughafen: Call Option auf die lange Bank geschoben. Kurios: Auch einige ÖVP-Aufsichtsräte stimmten für Vertagung

Der Klagenfurter Flughafen
Der Klagenfurter Flughafen

In der heutigen Sitzung der Kärntner Beteiligungsverwaltung (KBV), sie managt die Landesanteile am Klagenfurter Flughafen, sollte es zum wiederholten Mal zur Abstimmung kommen, ob die Call Option gezogen wird oder nicht. Mit dieser Option ist es der öffentlichen Hand, dem Land Kärnten und der Stadt Klagenfurt, möglich, den Airport von Mehrheitseigentümer Lilihill (Franz Peter Orasch) zurückzukaufen, wenn der Flughafen weniger als 100.000 Passagiere abfertigt. Das war 2022 der Fall.

KBV-Vorstand Martin Payer setzte die Abstimmung auf die heutige Tagesordnung. Doch bei der Sitzung kam es zu einem überraschenden Ereignis: Wie Quellen berichten, soll der Punkt verschoben worden sein. Noch überraschender: Angeblich haben selbst einige ÖVP-nahe Aufsichtsräte für diese Vertagung votiert. Die Abstimmung soll 9:2 für die Verschiebung ausgegangen sein. Es gibt fünf SPÖ-nahe Aufsichtsratsmitglieder, 4 ÖVP-nahe, ein von der FPÖ und ein vom Team Kärnten entsendetes AR-Mitglied. Nun soll Ende Mai noch ein Anlauf genommen werden.

Orasch-Schreiben in letzter Minute

Hintergrund dieses Ergebnisses dürfte ein Schreiben sein, dass die Flughafen-Betriebsgesellschaft, in der Orasch zu fast 75 Prozent das Sagen hat, gestern an sämtliche Gesellschafter des Airports geschickt hat. In diesem Schreiben kündigt der Flughafen an, bereit für ein Vergabeverfahren für die Grundstücke zu sein. Das Schreiben könnte man auch als taktisches Manöver Oraschs qualifizieren. Der Brief steht auch im Zusammenhang mit der Verpachtung von 130 Hektar Flughafengrund an eine Lilihill-Gesellschaft, gegen die die KBV gerichtlich vorgegangen war und die Orasch zurückziehen wollte. Dass der Flughafen-Investor einem offenen Vergabeverfahren oder gar einer Ausschreibung, mit der er sozusagen mögliche Konkurrenten einlädt, zustimmt, ist nur schwer vorstellbar.

Dass selbst ein paar ÖVP-nahe Aufsichtsräte für eine Verschiebung stimmten, kann letztlich so interpretiert werden, dass man keine Unruhe in die in den letzten Zügen liegenden Koalitionsverhandlungen zwischen Rot und Türkis bringen möchte. Die Alternative zu dieser Interpretation wäre nämlich, dass die ÖVP ihre Richtung geändert hätte, den Flughafen – und die Grundstücke – zurückzuholen. Womit sie thematisch immerhin den Landtags-Wahlkampf geführt hat und nachweislich viele Stimmen gewonnen hat.

Morgen Flughafen-Generalversammlung

Spannend wird die morgige Flughafen-Generalversammlung: Dort soll es auch um eine Kapitalerhöhung von über drei Millionen Euro gehen. Land und Stadt ziehen aliquot ihrer Beteiligungen mit. Die Frage ist: Schießt Orasch seinen Teil, weit über zwei Millionen Euro, in die Gesellschaft ein, wenn ihm das Ziehen der Call Option droht? Tut er das nicht, könnte dem Flughafen Ungemach drohen. Zu Ende gedacht, wäre irgendwann eine Insolvenz möglich. In deren Fall die Call Option gezogen werden könnte.

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Foto(s): eigene

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